Experteninterview: Steuertipps für Gründer

Dipl.-Wirtsch.-Ing. Maik Schiemann (Foto) ist Steuerberater und Wirtschaftsprüfer und Gesellschafter-Geschäftsführer der WKO Wirtschaftskanzlei Oberalster GmbH Steuerberatungsgesellschaft. Seit über 10 Jahren berät er Mandanten – darunter auch viele Start-ups. In seiner Steuersprechstunde und auf Info-Tagen der Handelskammer hält er Vorträge und beantwortet Fragen von verschiedensten Gründern wie Hochschul-Absolventen, Start-ups und Nebenerwerbsgründern. Im Interview  mit den #FOMPreneuers verrät er, worauf Gründer achten müssen.

Sind Gründer in Steuerfragen Ihrer Meinung nach gut genug “gerüstet”?

Das ist ganz durchmischt: Mal kommt jemand super vorbereitet zu mir und wir klären nur noch steuerliche Einzelfragen, mal bedarf es einer intensiven Betreuung. Teilweise erlebe ich, dass schon fleißig gegooglet wurde – dann gilt es, teils widersprüchliche Quellen und Aussagen zu werten und die Gründung aus steuerlicher Sicht zu strukturieren.

Zu welchen Themen werden Ihnen die häufigsten Fragen gestellt?  

Oft entstehen schon beim Ausfüllen des Fragebogens zur steuerlichen Erfassung viele Fragezeichen.  Aber auch die laufenden steuerlichen Pflichten bergen zahlreiche Besonderheiten. Normalerweise sehen wir uns zunächst einmal die umsatzsteuerliche Seite an. Dann kommen wir zur Gewinnermittlung und der Gewinnbesteuerung – ggf. mit Gewerbesteuer, Körperschaftssteuer und Einkommenssteuer. Häufig schließen sich Fragen und Optimierungen rund um die Sozialversicherung an, beispielsweise zur Beitragsfestsetzung bei freiwilliger gesetzlicher Krankenversicherung oder die Auswirkungen auf das Elterngeld.

Gibt es gängige Stolperfallen für Gründer – und wie kann man sie vermeiden?

Das Steuerrecht hierzulande ist recht formal und der Teufel steckt häufig im Detail: Es ist beispielsweise wichtig, Rechnungen über 250,- € auf Vollständigkeit aller Angaben zu prüfen (bevor sie bezahlt werden), da sie sonst vom Finanzamt nicht anerkannt werden können. Teilweise gibt es bei nebenerwerblichen und bei ganz jungen Gründungen Optimierungspotential durch die umsatzsteuerliche Kleinunternehmerregelung. Auch eine angemessene Rechtsform hilft: Manchmal sehe ich, dass Kleingewerbe in einer GmbH oder Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) geführt werden. Das geht anders viel einfacher und günstiger. Und, auch wenn es vielleicht wie eine Binsenweisheit klingt, aber Ordnung ist die halbe Miete – wer wöchentlich (oder zumindest monatlich) seine Belege sortiert und abheftet, hat für die Buchführung und Gewinnermittlung schon prima vorgearbeitet.

Welche Tipps geben Sie Gründern mit auf den Weg?

Buchhaltung ist längst nicht so kompliziert, wie viele befürchten – trauen Sie sich ruhig selber mehr zu, das spart am Ende Zeit und Kosten. Viele einfache steuerliche Fragen kann man heutzutage selbst klären. Bei schwierigeren Themen kann man natürlich einen Experten hinzuziehen, aber oftmals reicht ein „Anschub“ durch den Steuerberater und dann läuft es auch allein. Wichtig ist auch, alle Betriebsausgaben festzuhalten – oft kann man auch Kleinigkeiten steuerlich geltend machen und das rechnet sich am Ende ordentlich. Und zu guter Letzt lohnen sich Infoveranstaltungen rund um die Themen Gründung, Finanzierung und Steuern. Denn hier bekommt man wertvollen allgemeinen Input und kann sich mit anderen Gründern austauschen und aus ihren Erfahrungen lernen.

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